„Erebos“ – Ursula Poznanski

»Abgestürzt? Nein. Aber ich weiß, was du meinst.« Er senkte die Stimme, als befürchtete er, jemand könnte mithören. »Manchmal … will es einfach nicht. Es wartet. Es prüft dich. Weißt du was, Nick? Manchmal glaube ich, es lebt. “ (Seite 90)

Tritt ein oder kehr um!
Dies ist Erebos.

Nick ist besessen von Erebos, einem Computerspiel, das an seiner Schule von Hand zu Hand weitergereicht wird. Die Regeln sind äußerst streng: Jeder hat nur eine Chance, Erebos zu spielen. Er muss dabei immer allein sein und darf mit niemandem über Erebos reden. Wer dagegen verstößt oder seine Aufgaben nicht erfüllt, fliegt raus und kann das Spiel nicht mehr starten. Was aber am merkwürdigsten ist: Erebos erteilt Aufträge, die in der realen Welt ausgeführt werden müssen. Und dann befiehlt das Spiel Nick, einen Menschen umzubringen.

Stell dir vor, an deiner Schule macht ein geheimes Spiel die Runde, doch du bekommst es nicht einfach so, nein, jemand muss es an dich weitergeben. 
Nick versinkt vom ersten Moment an in der Spielwelt, alles fühlt sich so real an. Und er ist nicht der Einzige, täglich erscheinen weniger Schüler zum Unterricht oder sind total übermüdet. Das nächtelange Zocken fordert seinen Tribut. Und „Erebos“ zu spielen, fordert seinen Preis, ein kleiner Gefallen hier, ein Botengang dort.
Doch der Preis um weiterspielen zu können ist höher als Nick zunächst glaubt.

„Erebos“ habe ich zum ersten Mal vor fast 10 Jahren gelesen und als 2019 der zweite Teil erschien, habe ich ihn sofort gekauft und dann fristete er auf meinem SUB ein trauriges Dasein, bis er auf meiner Liste für die #21für2021 Challenge landete. Inzwischen hatte ich natürlich nicht mehr alles aus dem Vorgänger im Kopf und so war vor „Erebos 2“ nochmal „Erebos“ fällig.
Leser, die bisher keinerlei Erfahrungen mit Onlinespielen gemacht haben, werden sich vielleicht etwas verloren vorkommen, denn in Nick kann man sich nur komplett hineinversetzen, wenn man selbst schon mal dem Zauber eines Spieles erlegen ist, am Rechner saß, bis einem die Augen zufielen und am nächsten Tag in der Schule oder im Büro durchgehangen hat wie eine Bogenlampe.
Ja, wie unschwer zu erkennen ist, hab ich das auch durchgemacht und manchmal packt mich dieser Drang auch heute noch, aber immer seltener.^^ 
Nick ist ein typischer Teenager, er spielt Basketball, himmelt ein Mädchen an und dann macht dieses Spiel die Runde in der Schule. Alles andere wird plötzlich nebensächlich, es zählt nur noch, möglichst schnell voranzukommen. Und wenn da ein paar kleine Aufgaben helfen, hey, dann erledigt man die eben nebenbei mal.
Irgendwie musste ich ein bisschen an „Needful Things“ von Stephen King denken, auch wenn das natürlich in eine ganz andere Richtung geht, aber da erfüllen die Menschen ebenso blind irgendwelche Aufträge, weil sie eine Belohnung bekommen und erstmal macht sich niemand Gedanken über die Folgen.
Manchmal frage ich mich, ob es tatsächlich reicht, einen Preis vor Augen zu haben, um das Hirn komplett auszuschalten. Ja, ich schweife ab, ich gebe es zu, das ändert aber nichts daran, dass ich solche Dinge erschreckend finde, der Mensch ist so leicht zu manipulieren.
Ursula Poznanski hat all das in einer Story verpackt, die besonders Teenager ansprechen soll, immerhin ist ihr Held, ja selbst einer.
Der Schreibstil ist recht einfach, dem Alter der Leser, für die das Buch gedacht ist, angepasst, aber dennoch fesselnd, so dass auch Erwachsene durchaus ihre Freude an „Erebos“ haben und das Thema an sich kommt ja leider auch nicht aus der Mode. 

Wie schon beim ersten Durchgang, so hat mich „Erebos“ auch in der zweiten Runde total überzeugt. Wer schon mal ein Onlinespiel gezockt hat, wird sich in diesem Buch sofort zuhause fühlen, auch wenn er das Alter der eigentlichen Zielgruppe längst überschritten hat.
In mir jedenfalls kamen immer wieder Erinnerungen an durchgespielte Nächte hoch, an nervige Levelphasen oder die Jubelschreie, wenn man einen fiesen Gegner endlich bezwungen hat und dafür gibt es von mir  4,5 von 5 Miezekatzen. Jetzt bin ich gespannt, was mich in der Fortsetzung erwartet.
01. „Erebos“
02. „Erebos 2“

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