„Das Schneemädchen“ – Rene Denfeld

“ …  Sie lernte, dass es so etwas wie Zeit gar nicht gab. Es gab nur Schnee. Der fiel leise über ihr herab, manchmal leichter und mit Frühlingsregen vermischt, manchmal dicht und schwer, aber früher oder später war er immer wieder da. ..“ (Seite 39)

Vor drei Jahren, als ihre Familie nach einem Weihnachtsbaum in den frostigen Wäldern von Oregon suchte, verschwand Madison Culver. Drei Jahre – und immer noch keine Spur von der damals Fünfjährigen.
Ist sie tot? Doch eine Leiche hat man bisher nicht finden können.
Madisons Eltern wenden sich in ihrer Verzweiflung an die »Kinderfinderin« Naomi, eine Privatermittlerin mit dem unheimlichen Talent, Vermisste aufzuspüren. Da sie in ihrer Kindheit selbst einmal verschleppt wurde, kann sie sich besonders gut in solche Fälle hineinversetzen.
Während Naomi nach und nach die schrecklichen Tatsachen im Fall Madison aufdeckt, durchdringen Scherben eines dunklen Traums ihre Erinnerung …
Ein atemberaubender, literarischer Pageturner, erzählt mit den wechselnden Stimmen von Naomi und einem außergewöhnlich fantasievollen Kind.

Aus Schnee gemacht und wurde zum Leben erweckt, lebt sie in einer Höhle. Doch da sind diese Erinnerungen an ein anderes Leben, an ein Heim, eine Familie, an Geborgenheit statt Schläge und an Märchen. Ihr liebstes war schon immer das vom Schneemädchen. Jetzt ist sie selbst eins, verloren in der Kälte.

Ich nehm es gleich vorweg, Rene Denfeld hat es mit „Das Schneemädchen“ geschafft mein kleines schwarzes Herzchen zu berühren. Sie schreibt sehr bildhaft, fast glaubt man, ihr auf ihrer Suche in den verschneiten Wäldern Gesellschaft zu leisten. Mir ist es tatsächlich einige Male eiskalt den Rücken hinunter gelaufen und das nicht nur auf Grund der im Buch vorherrschenden Temperaturen, denn als Mutter ist diese Geschichte wirklich harter Tobak für mich. Schon der bloße Gedanke, dass dem eigenen Kind etwas passieren könnte, sorgt für Albträume und dass die Welt da draußen verdammt hart sein kann, wissen wir alle.
Zum lebhaften Erzählstil gesellen sich noch die Heldinnen des Buches, ein kleines Mädchen und eine Ermittlerin, beide haben mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick scheint. Doch während das Schneemädchen sich in eine Fantasiewelt flüchtet, um mit den Grausamkeiten des Alltage zurechtzukommen, versucht Naomi sich zu erinnern, was damals geschehen ist. Denn es gibt einen Grund, warum die Ermittlerin bei ihrer Suche nach vermissten Kindern so erfolgreich ist. 
Abwechselnd gibt es Einblicke in das Leben der beiden Protagonistinnen, beide sind mir von Anfang an ans Herz gewachsen. Bei Naomi, die verbissen nach der kleinen Madison sucht und die eigenen Bedürfnisse immer wieder hinten anstellt, kann man gar nicht anders. Sie ist eine Getriebene, eine gebrochene Seele, aber genau das kommt ihr hier zugute, treibt sie immer weiter vorwärts.
Das Schneemädchen hingegen zieht sich in eine selbst erschaffene Fantasiewelt zurück, um nicht zu zerbrechen. Was sie erdulden muss, tut weh, macht mich als Mutter mehr als nur betroffen, aber ich will da gar nicht ins Detail gehen. Das tut die Autorin auch nicht, sie nur deutet an,  das allein reicht jedoch vollkommen aus. Rene Denfeld erzählt ihre Geschichte ruhig, aber das macht sie nicht weniger erschreckend. Dafür beendet sie ihr Buch mit einem Satz, der mich persönlich sehr bewegt hat und in dem man zumindest ein wenig Trost finden kann.

„Das Schneemädchen“ ist ein sehr  ruhig erzähltes Buch, das heißt aber keinesfalls, dass es nicht spannend ist, im Gegenteil, mich hat es sehr mitgenommen, aber ich glaube, so geht es allen Eltern. Wer mit Gewalt gegen Kinder nicht klarkommt, sollte die Finger von diesem Werk lassen, denn auch wenn es hier keine expliziten Beschreibungen gibt, so geht es doch hart zur Sache.
Mich hat die Geschichte um das Mädchen im Schnee beeindruckt und mitgenommen und ich freue mich auf „Das Schmetterlingsmädchen“, das hoffentlich in derselben Liga spielt, Bis ich das herausfinde, dauert es noch ein bisschen, denn es erscheint erst im August, bis dahin vergebe ich aber schon mal 4,5 von 5 Miezekatzen für den Vorgänger. 

01. „Das Schneemädchen“
02. „Das Schmetterlingsmädchen“

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