„Midnight Stories“ – Maya Shepherd (Hrsg.)

“ … Die ausgewählten Kurzgeschichten schwanken zwischen Traum und Realität sowie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Täter und Opfer lassen sich nicht immer klar voneinander trennen. Mythen, Legenden und Aberglaube stehen dem Wunsch nach einer logischen Erklärung gegenüber. …“
( Vorwort, Seite 7)

In der dunkelsten Stunde der Nacht, wenn der Mond hinter Wolkenschleiern hervorblitzt, Nebelschwaden über das Land ziehen und fern das Krächzen eines Raben erklingt, ereignen sich unheimliche Begebenheiten. Geschichten, die für Gänsehaut sorgen, den Herzschlag beschleunigen, kalten Schweiß ausbrechen und das Blut in den Adern gefrieren lassen. Einem Albtraum gleich sind Realität und Einbildung nur schwer auseinanderzuhalten. Ob schaurig und düster, grausam, mystisch oder übernatürlich – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Siebzehn Kurzgeschichten, die zum Fürchten einladen.

Maya Shepherd hat gerufen und viele haben den Ruf erhört und ihre Kurzgeschichten für eine Athologie zum Thema Grusel eingereicht. Ob Wechselbälge, nächtliche Eindringlinge, ganz besondere Haustiere, Verlustängste oder Rache, in den 17 Kurzgeschichten findet man zu (fast) jedem Thema etwas.

Passend zum Oktober war ich auf der Suche nach Lektüre zum Gruseln und habe unter anderem beim Sternensand Verlag gestöbert. Dort sprang mir gleich „Midnight Stories“ ins Auge, denn ich fand das Cover einfach wunderschön. Dunkle Nacht, Krähen, Bäume und Vollmond, für mich die perfekte Aufmachung für den Spooktober. Maya Shepherd kannte ich bisher nur als Verfasserin der „Grimm-Chroniken“ und die mag ich ja bekanntlich sehr. Hier hat sie als Herausgeberin fungiert, für mich ein weiterer Grund zuzugreifen.^^
Als ich das dann Buch in der Hand hielt, war ich immer noch begeistert, den Schmutztitel zieren die aufgedruckten Autogramme der Autoren und auch die Rabenvögel und Äste findet man im Inneren wieder, für solche Spielereien bin ich ja immer zu haben, sie machen ein Buch zu etwas Besonderem. Die Aufmachung überzeugt also schon mal auf ganzer Linie, aber wie sieht es mit dem Inhalt aus?

„Midnight Stories“ enthält 17 Kurzgeschichten, die sich wunderbar zum Lesen abends im Bett eignen. Sie sind alle recht kurz, so ist es kein Problem, das Buch zur Seite zu legen und ins Reich der Träume zu entgleiten, so man das noch kann. Eines sollte jedoch klar sein, wer harte, blutrünstige Stories erwartet, ist hier fehl am Platz, das soll aber keineswegs heißen, dass man sich als Leser langweilt, denn man bekommt thematisch viel geboten, den einen oder anderen Gänsehautmoment inklusive.
Wie es bei Anthologien nun aber mal so ist, hat mich natürlich nicht jeder Beitrag überzeugt, aber es gibt tatsächlich keine einzige Geschichte, bei der ich sagen würde, das war nix, dafür aber einige Perlen, die für mich besonders herausgestochen haben. „Die falsche Schwester“ und „Die Seele des Voodoo“ fand ich zum Beispiel großartig und auch „Die Ratte“, auch wenn diese mich weniger gegruselt, dafür jedoch sehr nachdenklich gestimmt hat.  

Für mich persönlich war „Midnight Stories“ eine tolle „Gute-Nacht-Lektüre“, die kurzen Geschichten eigenen sich bestens für zwischendurch oder eben als kleines Häppchen vor dem Einschlafen. Wer auf guten alten Grusel anstelle von literweise vergossenem Blut steht, dem kann ich dieses Werk nur wärmstens ans Herz legen, ein Schmuckstück fürs Regal ist es außerdem.

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