„USA 2085“ – Pjotr X

“ … »Klar! Ich fände es cool, wenn man mich essen würde. Ich stelle mir vor, danach in jenen weiterzuleben, die mein Gehirn als Brainshake trinken. Ich würde mir wünschen, dass meine leidenschaftliche Seele in ihnen sie dazu bringt, mein Verlangen nach erotischer Perfektion weiter auszuleben. Außerdem wäre ich gern Schlachtkind der Woche. Davon habe ich schon in der Vorschule geträumt.« …“

»Wenn das, was du hier erzählst, der Wahrheit entspricht und an die Öffentlichkeit gerät, wird es eine Revolution geben!«

Es war nicht klug, sich mit der Menschenfleischindustrie anzulegen, die jährlich ein Prozent des Jahrganges der Neunzehnjährigen per Los zum Schlachten bestimmte.
Luna hatte Angst. Entsetzliche Bilder von barbarisch gefolterten Schlachtflüchtlingen, die an Grausamkeit kaum zu überbieten waren, sorgten für höchste Einschaltquoten im TV.
Nicht vorstellbar, was mit ihr geschehen würde, wenn sie scheiterte …

Pjotr X führt mit »USA 2085« erneut in seine bizarre Wohlstandswelt einer Zukunft, in der Kannibalismus und ein ausschweifender Lebensstil den Alltag prägen.

Noch immer werden in Amerika 1% der Jugendlichen zur Schlachtung ausgelost, als Fleisch auf dem Teller zu landen, ist eine Ehre. Während der Leser in „USA 2084“ wurde Jessica begleitete, die zum Schlachtvieh auserkoren wurde, ist es diesmal Luna. Auch sie hat Geburtstag und feiert den erstmal in Form einer Orgie, soweit also erstmal kein Unterschied. Doch anders als Jes landet Luna nicht auf der Schlachtliste, sondern fällt beim Staat in Ungnade. Ihre Strafe ist Militärdienst, doch die junge Frau steigt recht schnell auf und wird bald ganz besonderen Einsätzen zugeteilt.

Mit „USA 2084“ habe ich mich sehr schwer getan. Die Story an sich fand ich faszinierend, das ständige Rumgevögel hingegen ging mir total auf den Keks, vor allem, weil man, wenn einem jemand nach dem Leben trachtet andere Probleme hat, als für irgendeinen unbekannten Schönling die Beine breit zu machen. Ja, mich hat das furchtbar aufgeregt, aber wahrscheinlich bin ich da die Einzige. Trotzdem wollte ich wissen, was Pjotr X diesmal zu erzählen hat und habe auf weniger Sex und mehr Story gehofft, nun ja, ich hätte es eigentlich besser wissen müssen.^^
Wo fange ich an? Am besten bei Luna, der „Heldin“ des Buches. Denn abgesehen davon, das irgendwelche Rammelaktivitäten stets wichtiger erscheinen, als die eigentliche Geschichte fortzuführen, war sie mein größtes Problem. Bei Jes, die mir schon nicht sonderlich sympathisch war, konnte ich mir noch einreden sie ist jung und naiv, Luna hingegen ist für mich einfach nur scheinheilig. Sie heult mit den Wölfen, genießt es, Macht über Menschen zu haben, sie zu foltern und zu töten. Und dann kommt der plötzliche Sinneswandel. Sorry nein, ich nehme ihr das nicht ab. Sie verurteilt andere für Dinge, die sie selbst getan hat? Für mich ist sie ein Charakter, mit dem ich so gar nichts anfangen kann, sie hat keinen Tiefgang. Außer, dass es ihr egal ist, ob sie ihre sexuellen Aktivitäten mit Männlein oder Weiblein betreibt und es sie nicht zu stören scheint wenn man ihr dämliche sexistische Spitznamen verpasst, ist bei mir nichts hängen geblieben, aber vielleicht hab ich den Rest einfach nur verdrängt.
Auch in seinem neuesten Werk hält Pjotr X der Gesellschaft erneut einen Spiegel vor, lässt sie in das eigene Gesicht blicken und das ist nicht nur hässlich, sondern auch brutal und menschenverachtend. Das Volk ist eine blökende Herde, die ohne zu murren tut, was man ihr sagt und nichts hinterfragt. Das Fernsehprogramm kann man ohne Probleme mit unserem gleichsetzen, dumpfe, geistlose und brutale Unterhaltung in der diktiert wird, was angesagt ist. Eigentlich ganz mein Ding, aber leider wird mir hier alles zu grob angerissen, ich hätte mir mehr Tiefgang gewünscht. Und vor allem eine Figur, mit der ich mitfiebern kann, denn Luna mit Luna kann ich mich überhaupt nicht identifizieren.
Dafür geht es wieder blutig zur Sache, Kannibalismus an sich ist ja schon nicht ohne, hier wird das Ganze allerdings noch auf die Spitze getrieben. Wer einen nervösen Magen oder Probleme mit Gewalt (beim Lesen natürlich) hat, sollte sich definitiv eine andere Lektüre suchen. Das Wort „Hardcore“ ziert das Cover, dass ich genau wie das des Vorgängers wieder richtig toll finde, vollkommen zu Recht. 

Wer auf eine gute Story hofft, dem kann ich von „USA 2085“ nur abraten. Dabei finde ich die Grundidee wieder echt interessant, leider ist die Umsetzung nicht meins. Ich hatte fast den Eindruck, dass Lunas Weg eher der Füllstoff zwischen diversen Sexszenen ist, umgedreht hätte es mir persönlich besser gefallen. Wer allerdings Freude an Sex gepaart mit aneinandergereihten Grausamkeiten hat, wird mit „USA 2085“ seine Freude haben. Bei mir hielt die sich leider in Grenzen und so gibt es auch nur 2,5 von 5 Miezekatzen.01. „USA 2084“
02. „USA 2085“

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