„Matthew Corbett und die Jagd nach Mister Slaughter“ – Robert McCammon

„… »An mir ist rein gar nichts Gewöhnliches, Sir. Und ich würde es schätzen, wenn Ihr mir den mir zustehenden Respekt zollen und mich von jetzt an so anreden würdet, wie es sich für einen feinen Gentleman gehört: Mister Slaughter.« Niemand lachte. Niemand, außer Slaughter …“

In Robert McCammons meisterhaftem dritten Teil der historischen Thriller-Reihe um Matthew Corbett erweckt er erneut die Kolonialwelt Amerikas zu schillerndem Leben. Matthew, der mittlerweile als „Problemlöser“ für die New Yorker Zweigstelle der Londoner Herrald-Vertretung arbeitet, erhält einen ungewöhnlichen und gefährlichen Auftrag: Zusammen mit seinem Kollegen Hudson Greathouse soll er den berüchtigten Massenmörder Tyranthus Slaughter von einem Gefängnis in der Nähe Philadelphias zum New Yorker Hafen eskortieren. Auf dem Weg dorthin macht Slaughter seinen Wächtern jedoch ein überraschendes und äußerst verlockendes Angebot – mit tragischen Folgen … Mister Slaughter ist nicht nur die bis ins kleinste Detail fein ausgearbeitete Darstellung einer noch jungen Nation, sondern auch das zeitlose Porträt eines äußerst gewalttätigen Serienmörders, der seinen Häschern immer einen Schritt voraus ist.

Keiner ist unfehlbar, auch der gute Matthew Corbett nicht, der nach den Ereignissen rund um die Königin der Verdammten als Held gefeiert wird. Doch Ruhm verblasst schnell und man kann sich davon nichts kaufen, das muss er bald erkennen und als sich die Gelegenheit ergibt, an Geld zu kommen, zögert er nicht, auch wenn sein schlechtes Gewissen ihn quält. Aber schöne Kleider sind teuer und ein gewisser Lebensstandard auch. Matthew ringt mit sich, will Hudson einweihen und tut es dennoch nicht, ein großer Fehler, wie sich später zeigen wird, denn auch sein Partner braucht Geld, will er doch einen Sklavewn kaufen, der der Gesellschaft von Nutzen wäre. Und so nimmt er den verhängnisvollen Auftrag an, Mr. Slaughter zum Hafen zu bringen. Der ahnt, dass ihm der Tod blüht und macht den beiden Männern ein Angebot, dass sie nicht ablehnen können.

Geld regiert bekanntlich die Welt, auch im Jahre 1702 und so müssen Matthew und Hudson die Kassen füllen und einen Auftrag annehmen, der ihnen von Anfang an eine Gänsehaut verursacht, denn sie kennen Tyranthus Slaughter bereits und er war ihnen schon bei der ersten Begenung unheimlich. Stunden über Stunden mit ihm in einer Kutsche zu verbringen scheint beiden alles andere als erfreulich, denn das ungute Gefühl trügt sie nicht, Slaughter hat einen Plan …
Auch mit „Matthew Corbett und die Jagd nach Mister Slaughter“ schafft es Robert McCammon von der ersten Seite an, den Leser in die Straßen, Hinterzimmer und Kneipen von New York zu entführen, fast fühlt es sich an, als versuche man selbst die Pferdeäpfeln auf den Straßen zu umgehen oder dem Licht der Laternen ausweichend durch finstere Gassen zu schleichen. Der Autor hat einen sehr lebendigen Stil, er beschreibt die Orte seiner Handlungen so, dass man sie direkt vor Augen hat, kein Wunder, dass die Bücher der Reihe alle dicke Wälzer sind. Manch einen mag vielleicht stören, dass es immer eine Menge Hintergrundwissen gibt, bevor sich Matthew in ein neues Abenteuer stürzt, aber ich finde diese Erzählweise großartig, Kopfkino pur. Auch die Figuren erscheinen greifbar, egal ob Matthew, Hudson, Berry, man versteht, was sie antreibt, sie beschäftigt.
Und mit Slaughter bekommen es die beiden Herren von der Herrald-Gesellschaft diesmal mit einem besonders bösartigem Gesellen zu tun, der selbst für ein paar Stiefel sprichwörtlich über Leichen geht. Doch nicht nur die Jagd nach dem entflohenen Mörder hält Matthew, der Hilfe von unerwarteter Seite bekommt, auf Trab, auch den kulinarischen Genüssen wendet man sich erneut zu. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es in den Büchern sehr viel auch ums Essen geht, vielleicht sind sie auch darum genau das Richtige für mich.^^

Selbst ein Matthew Corbett, der sich für Recht und Gerechtigkeit einsetzt, ist nicht vollkommen und trifft falsche Entscheidungen, weil ihn die Gier übermannt. Das macht ihn menschlich und mir sogar noch sympathischer, auch, weil er zu seinem Fehler steht. Auf jeden Fall war „Matthew Corbett und die Jagd nach Mister Slaughter“ für mich bisher das Highlight der Reihe, vielleicht auch, weil die Story diesmal einen kleinen morbiden Touch hat. Ich komme also nicht umhin, diesmal die volle Punktzahl zu vergeben, einen Tusch bitte für 5 von 5 Miezekatzen.

01. „Matthew Corbett und die Hexen von Fount Royal: Band 1“
02. „Matthew Corbett und die Hexen von Fount Royal: Band 2“
03. „Matthew Corbett und die Königin der Verdammten: Band 1“
04. „Matthew Corbett und die Königin der Verdammten: Band 2“
05. „Matthew Corbett und die Jagd nach Mister Slaughter“
06. „Matthew Corbett in den Fängen des Kraken“
07. „Matthew Corbett und der Fluss der Seelen“

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