„Blutige Stufen“ / „Genesis“ – Chris Carter

“ … Hunter musste tief durchatmen.
Er hatte während seines Berufslebens schon zahlreiche Grausamkeiten erlebt. Er hatte aus nächster Nähe gesehen, zu welchen Abscheulichkeiten die Menschen fähig waren, und war an mehr blutrünstige Tatorte gerufen worden als irgendjemand sonst im LAPD. Doch diese Bilder waren so entsetzlich, so brutal und abstoßend, dass eine eisige Kälte von seinem Körper Besitz ergriff und ihn erzittern ließ. …“ (Seite 198) 

Eine entsetzlich zugerichtete Frauenleiche – und Furcht ist nur der Anfang

 Machen Sie sich bereit für einen neuen, blutigen Fall vom LAPD Ultra Violent Crimes Unit. Detective Robert Hunter und sein Partner Garcia jagen einen perfiden Serienkiller. Die blutige Art des Tötens ist nicht das Einzige, was diesen Killer antreibt. Für ihn sind Angst, Schmerz und der Tod Teil einer Lektion. Und er ist der Lehrmeister. Als eine zweite Frau grausam umgebracht wird, fragen Hunter und Garcia sich, wie viele Gedichte dieser Serienkiller noch schreiben wird. Ihnen bleibt nicht viel Zeit … 

Ein gemütlicher Grillabend im Hause Garcia, auch Hunter ist da und soll verkuppelt werden. Doch daraus wird nichts, denn das Ermittler-Duo wird zu einem Tatort gerufen und dort erwartet sie ein erschreckender Anblick. Die Leiche einer jungen Frau wurde von ihrer Schwester Janetgefunden, aufgehängt an einem riesen Angelhaken, den man ihr durch den Kiefer getrieben hat. Janet ist traumatisiert, das Schlimmste erwartet sie aber noch …

2 Jahre hat uns Chris Carter diesmal auf den neue Fall von Hunter und Garcia warten lassen, aber hat sich das auch gelohnt?
Wie schon in den letzten Jahren habe ich mir natürlich wieder die signierte Originalausgabe von Simon & Schuster gegönnt, schon allein weil die Bücher viel schöner aussehen als unsere deutschen Ausgaben. Vorbestellt habe ich beide Versionen, denn da ich die letzten Bände immer auf Englisch gelesen habe, weil ich es nicht erwarten konnte und die deutschen dann ungelesen ins Regal wanderten, wollte ich es diesmal anders machen und zwischen beiden hin und her switchen. Allerdings gab es erstmal ein Problem, das ich gar nicht auf dem Schirm hatte, nämlich Amazon. Ich fan es schon ärgerlich, dass man das Buch vor Erscheinen im Buchhandel kaufen konnte, Amazon aber erst pünktlich zum Release versendet hat. Damit konnte ich leben. Dass mein Buch jedoch auch am Erscheinungstag nicht kam, obwohl es angekündigt war, hat mich schon geärgert, immerhin war die Lieferung angekündigt, bis abends dann ne Mail kam, es wäre noch nicht mal versendet. Am nächsten Tag kam die Bestätigung, dass es bei meiner Nachbarin abgegeben worden wäre, nur hatte die kein Paket für mich, das ist bis heute verschollen, keine Ahnung, was der Postbote da angestellt hat. Letztendlich bin ich nach 3 Tagen dann schließlich doch in der Buchhandlung gelandet, konnte es aber natürlich nicht erwarten und hatte die ersten Kapitel von „Genesis“, so der Originaltitel, schon gelesen.

Ich war vom ersten Moment angefesselt und bin immer erstaunt, dass sich auch das Original so einfach lesen lässt, bei meinem ersten Versuch hatte ich da etwas Bammel. Wenn man aber einen Band auf Deutsch gelesen hat, kennt man die Begriffe, weiß, was gemeint ist und kann ohne Probleme in die Handlung abtauchen. Eigentlich wollte ich kapitelweise wechseln, da die aber recht kurz sind, habe ich immer nach dem 5. gewechselt und das funktionierte für mich ohne Probleme. Allerdings muss ich sagen, wer englisch spricht, sollte definitiv zu „Genesis“ greifen. Ich will damit keineswegs sagen, dass die Übersetzung schlecht ist, aber es ist einfach etwas anderes, die Formulierungen zu lesen, die der Autor zu Papier gebracht hat.
„Blutige Stufen“ beginnt mit einem Mord, der es in sich hat, selbst Hunter und Garcia, die von einer Grillparty zum Tatort gerufen wurden, sind entsetzt. Doch dem Killer reicht es nicht, sein Opfer zu foltern, bevor er es tötet, er geht noch einen Schritt weiter und der ist an Grausamkeit kaum zu überbieten. Allein der Gedanke, mir könne so etwas passieren, lässt mich erschaudern, wie bösartig muss man sein, um auf eine solche Idee zu kommen? Zweifelsfrei handelt es sich um einen privaten Rachefeldzug, das steht recht schnell fest, aber auch ich bin diesmal lange im Dunkeln getappt. Natürlich lässt Chris Carter seine Leser wieder einen Blick auf die Denkweise des Killers werfen und beleuchtet sein Motiv. Und ganz ehrlich? Ich kann es verstehen, auch wenn ich einen anderen Weg gewählt hätte. Aber an bestimmten Punkten im Leben muss man sich einfach entscheiden, welchen Weg man gehen will und hat man den erstmal gewählt, gibt es kein Zurück mehr. Nein, ich habe kein Verständnis für den Täter, aber Mitleid und das aus tiefstem Herzen. Klingt in dem Zusammenhang vielleicht merkwürdig, aber lest selbst, dann wisst ihr, wovon ich rede. Waren Carters Mörder bisher immer abscheuliche Bestien, so ist es diesmal ein wenig anders, er verlässt den üblichen Weg und das tut dem Buch verdammt gut, eben, weil es überrascht. Und ein schlechtes Gewissen macht.

Hunter und Garcia sind wie immer das perfekte Team, sie ergänzen sich auf so viele Weisen, kennen die Stärken des anderen und ihre eigenen. Und sie sind menschlich, keine gebeutelten, einsamen verkorksten Ermittler wie so viele ihrer Kollegen. Wenn ich etwas über Carlos und seine Frau lese, geht mir das Herz auf, denn auch diese beiden harmonieren total und schaffen es trotz allen, ein normales Leben und eine glückliche Ehe zu führen, ein Bilderbuchpaar. Außerdem liebe ich Garcias Humor, den er sich bewahrt hat. Vielleicht mag ich ihn deswegen sogar ein klitzekleines bisschen mehr als seinen griesgrämigen Kollegen. Aber hey, auch Hunter würd ich gern mal auf einen Whisk(e)y einladen.
Damit bin ich am Ende meiner mal wieder viel zu lang gewordenen Rezi. Eins muss ich aber noch loswerden, den deutschen Titel finde ich mal wieder etwas unglücklich gewählt, denn natürlich geht es keineswegs um Treppen. Aber wenigstens hat er diesmal einen Bezug zum Geschehen, „Genesis“ finde ich trotzdem passender, eine Umbenennung wäre gar nicht nötig gewesen. Das bleibt aber meckern auf hohem Niveau denn mit „Blutige Stufen“ bzw. „Genesis“ hat Chris Carter wieder ein blutiges Meisterwerk geschaffen. Hoffen wir mal, der nächste Band erscheint wieder im üblichen Jahresrhythmus.^^

Eigentlich habe ich alles schon gesagt. Ich hab mich riesig auf „Blutige Stufen“ gefreut und wurde nicht enttäuscht, nein, eher überrascht, denn Chris weicht diesmal etwas vom üblichen Weg und das macht die Geschichte zu etwas besonderem. Ich für meinen Teil war überrascht und am Ende blieb ein flaues Gefühl im Magen. Was will man mehr? 5 von 5 Miezekatzen und eine unbedingte Leseempfehlung für alle Thriller-Fans.

01. „Der Kruzifix-Killer“ 
02. „Der Vollstrecker“
03. „Der Knochenbrecher“ 
04. „Totenkünstler“
05. „Der Totschläger“
06. „Die stille Bestie“
07. „I Am Death – Der Totmacher“
08. „Death Call – Er bringt den Tod“
09. „Blutrausch – Er muss töten“
10. „Jagd auf die Bestie“ 
11. „Bluthölle“ 
12. „Blutige Stufen“

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