„Der Kruzifix-Killer“ – Chris Carter

“ … »Psychologisch betrachtet, steht das Symbol, so nimmt man jedenfalls an, für einen Menschen mit einem Doppelleben – ein zweischneidiges Schwert, also eines mit zwei Klingen, klar? Darum geht es also, um eine Dualität, Gut und Böse, Weiß und Schwarz, alles in einer Gestalt. Jemand, der zwei völlig gegensätzliche Seiten hat.« … (Seite 117)

Los Angeles: Die Leiche einer wunderschönen Frau wird gefunden, zu Tode gequält und bestialisch verstümmelt. Keinerlei Spuren. Bis auf ein in den Nacken geritztes Kreuz, ein Teufelsmal: das Erkennungszeichen eines hingerichteten Serienmörders. Detective und Profiler Robert Hunter wird schnell klar, dass der Kruzifix-Killer lebt. Er mordet auf spektakuläre Weise weiter. Und er ist Hunter immer einen Schritt voraus – denn er kennt ihn gut. Zu gut. Lernen Sie auch das Hörbuch zu diesem Titel kennen!

Als Hunter nach dem Tod seines Partners einen Neuling zugeteilt bekommt, ist er wenig begeistert, immerhin ist er bisher ganz gut allein zurecht gekommen. Doch dann holt die Vergangenheit ihn ein, denn erneut tauchen Leichen mit einem in den Nacken geschnittenem Kreuz auf, dabei hat er den inzwischen verstorbenen Täter doch ins Gefängnis gebracht. An dessen Schuld hat er schon damals gezweifelt und spätestens jetzt ist es klar, er hat einen Fehler gemacht und der kommt ihm teuer zu stehen. …

Bevor sich irgendwer wundert, nein, ich habe dieses Buch nicht zum ersten Mal gelesen, bereits vor einigen Jahren, 2013, um genau zu sein, bin ich in der Bibliothek darauf gestoßen. Der Name Chris Carter sagte mir überhaupt nichts, aber meine Ausbeute war an jenem Tag recht gering, also dachte ich mir: Hey, warum nicht, man muss auch mal etwas Neues versuchen und was soll ich sagen, ich bereue diesen willkürlichen Griff ins Regal in keinster Weise.
Da ich ab und an auch immer mal wieder bereits gelesene Bücher zur Hand nehme. Außerdem habe ich mit Erschrecken festgestellt, dass ich zu diesem Buch bis heute keine Rezension geschrieben habe und das geht natürlich gar nicht. Und so war diesmal der gute Chris fällig und natürlich auch weil er einfach ein verdammt cooler Typ ist, wie ich 2018 feststellen durfte.
Aber zurück zu Hunter und Garcia. Bereits am Anfang von „Der Kruzifix-Killer“ fiel mir auf, dass die beiden ein nahezu perfektes Team bilden, auch wenn sie noch nicht lange zusammenarbeiten. Dafür ergänzen sie sich prima und ganz ehrlich, ich hab keine Ahnung, wen von beiden ich mehr mag. Klar, Robert Hunter ist das Genie, der Musterschüler, der Profiler, das Gehirn. Aber was wäre ein Denkapparat ohne Herz? Für diesen Part ist sein Partner zuständig, Grünschnabel Carlos Garcia. Der hat allerdings das Pech, gleich bei seinem ersten Fall zwischen die Fronten zu geraten. Mal abgesehen davon, dass Hunter eine Koryphäe auf seinem Gebiet ist, sind
Carters Ermittler  erstaunlich normal, haben Stärken und Schwächen und sie machen Fehler. Ich muss nicht immer einer Meinung mit ihnen sein und trotzdem haben sie sich in mein Herz geschlichen, beide.
Hinzu kommt, dass der Autor in Sachen Gewalt und Brutalität kein Blatt vor den Mund nimmt, er beschreibt die Tatorte, den Zustand der Opfer und man merkt, dass er gut informiert ist. Kein Wunder, immerhin hat er selbst ein paar Jahre als Kriminalpsychologe gearbeitet und in dieser Zeit so einiges gesehen, perfekte Voraussetzungen sozusagen. Aber Wissen allein ist eben nicht alles, man muss auch das Talent haben, eine Geschichte zu erzählen und genau das beherrscht Chris Carter bereits ein seinem ersten Werk, dafür ziehe ich auch nach all den Jahren  und inzwischen 11  Bänden noch den Hut vor ihm.

Wer Chris Carter noch nicht kennt, dem kann ich „Der Kruzifix-Killer“ nur wärmstens ans Herz legen. Neben verschwundenen Prostituierten und gehäuteten Leichen erlebt man so nämlich auch den Beginn des Dreamteams Hunter und Garcia mit.

Für mich ist und bleibt „Der Kruzifix-Killer“ ein tolles Debüt mit liebenswerten Figuren, die man immer wieder gern ein weiteres Stück ihres Weges begleitet und auch wenn es dieses Jahr keinen Nachschub von meinem liebsten Ermittler-Duo gibt, so hoffe ich doch, dass Chris inzwischen wieder die Feder schwingt und ich 2022 erneut mit Hunter und Garcia auf Mörderjagd gehen kann. So lange muss ich halt in Erinnerungen schwelgen oder mir die alten Fälle noch einmal zu Gemüte führen, was gar nicht so schlimm ist, denn einige habe ich nur im Original gelesen, dann ist die deutsche Ausgabe ja trotzdem irgendwie das erste Mal.^^
Lange Rede, kurzer Sinn, für Chris Carters Erstling vergebe ich ich auch heute 4,5 von 5 Miezekatzen.

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